Folge 84. Juli 2026· 32 Min

Warum hast du dich noch nicht gefunden?

Zusammenfassung

In dieser Auftaktfolge sitzt Karim El Sayed im Fokus: Wie fühlt es sich an, sich selbst zu finden — und wo hat er sich selbst lange verloren? Er erzählt von seinem Weg vom klassischen Ballett über die Musik und das Boxen bis zum Personal Trainer und Gesundheitscoach; von einer Kindheit in Graz, in der ein arabischer Vorname im falschen Jahrzehnt zum Selbstbehauptungstraining wurde; und davon, wie das Leistungsprinzip zum Schutzschild gegen Verletzlichkeit werden kann. Wolfgang Tanzmeister spiegelt Karim aus seinem eigenen Werdegang und stellt die entscheidenden Fragen: Warum wollen wir jemand sein, den wir nie waren? Was macht die Vaterbeziehung mit unserem inneren Kompass? Und was passiert, wenn der Körper irgendwann mit einer Bandscheibe „Stopp“ ruft, obwohl der Kopf noch längst nicht fertig ist? Das Gespräch endet in einer sehr grundsätzlichen Beobachtung: Dass Sich-Finden nichts Weiches ist, sondern ein Bruch mit trägen Erwartungen — der Familie, der Herde, des eigenen Egos. Und dass Präsenz im Jetzt möglich ist, wenn man sie zulässt.

Kapitel

  1. Karims Wurzeln: Ballett, Musik, Boxen, Coaching
  2. Vom Retreat: „Wir müssen niemanden spielen“
  3. Kindheit in Graz und der Name Karim
  4. Ballett und die Schule der Disziplin
  5. Arnold Schwarzenegger und Natural Bodybuilding
  6. Der Vater und das ewige Beweisen-Wollen
  7. Wenn der Körper Grenzen zieht: Bandscheibe und OP
  8. Gefühle abschneiden im Leistungssport
  9. Individualität, Herdentrieb und KPNI
  10. Männerfreundschaften und Verletzlichkeit
  11. Präsenz, Göttliches und das Jetzt

Wichtigste Erkenntnisse

Wir müssen niemanden spielen, um jemand zu sein.

Der Druck, ein bestimmtes Selbst darzustellen, entfernt uns von dem, was wir ohnehin schon sind.

Der Körper zieht Grenzen, wenn der Kopf sie ignoriert.

Zwei Operationen wurden bei Karim zum Wendepunkt: Nicht der Wille, sondern die Bandscheibe entschied, dass es so nicht weitergeht.

Leistung als Schutzschild.

Wer immer der Beste sein muss, macht sich nicht angreifbar — schneidet sich aber auch von Gefühlen und echter Nähe ab.

Karmische Altlasten der Eltern.

Manche Ziele, die wir jagen, sind unbewusst geerbt. Loslassen heißt zuerst: erkennen, wem das Ziel eigentlich gehört.

Männerfreundschaften brauchen mehr Tiefe.

Emotionale Offenheit unter Männern ist gesellschaftlich immer noch ein Schattenthema — dabei wäre sie eine der wichtigsten Ressourcen.

Die Wende beginnt im Jetzt.

Der Verstand ist immer beim Nächsten. Wirkliches Leben passiert dort, wo wir aufhören, dorthin zu wollen, wo wir gerade nicht sind.

Zitate

Wir müssen niemanden spielen, um jemand zu sein. Wir sind schon."

Mit dem Kopf durch die Wand ist nicht immer das Beste."

Wenn du mit dem Geist beim Nächsten bist, dann lebst du nicht aus dem Jetzt."

Sich zu finden ist unangenehm — weil du damit aus der Masse herausstichst."

Häufige Fragen

Was heißt „sich selbst finden“ in diesem Podcast?

Nicht ein neues Selbstbild aufsetzen, sondern die aufgesetzten Rollen erkennen und loslassen — bis nur noch das übrig bleibt, was wirklich trägt.

Warum spielt die Vaterbeziehung so eine große Rolle?

Karim beschreibt, wie der stille Wunsch, dem Vater zu imponieren, jahrelang seine Ziele im Sport und Beruf gefärbt hat, ohne dass es ihm bewusst war.

Was passiert, wenn der Körper „Stopp“ sagt?

Bei Karim endeten zwei Bodybuilding-Vorbereitungen in Bandscheibenoperationen. Er beschreibt, wie er lernen musste, dass „geht nicht, gibt's nicht“ auch eine Falle sein kann.

Was hat Persönlichkeitsentwicklung mit KPNI zu tun?

Die Psychoneuroimmunologie erklärt, warum der Mensch evolutionär auf Zugehörigkeit gepolt ist — und warum echte Individuation immer auch Widerstand kostet.

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